Technologieoffenheit ist kein Bestandsschutz

"Technologieoffenheit" ist das Wort der Stunde. Deutschland und Frankreich wollen das EU-Verbrenner-Aus von 2035 weiter aufweichen. Im Gegenzug sollen europäische Anbieter bei Fördergeldern und Ausschreibungen bevorzugt werden. Die SPD hält dagegen. Das ist der Stand vom 8. Oktober. Die Frage dahinter reicht weiter: Ist das Offenheit oder ein Festhalten am Gewohnten?
Kein Verbot, sondern ein Preisschild
Die EU-Vorgabe ist ein Flottenziel. Ab 2035 gilt ein Zielwert von 0 g CO2 pro Kilometer. Überschreitungen kosten 95 Euro je Gramm und Fahrzeug. Die EU-Kommission hat im Dezember 2025 bereits vorgeschlagen, das Ziel auf 90 Prozent zu senken. Deutschland und Frankreich wollen noch weiter gehen. Verbrenner fahren also auch nach 2035. Es geht darum, was sie kosten.
Der Markt wartet nicht
China erreicht 2026 laut BNEF rund 64 Prozent bei Neuwagen, Elektro und Plug-in-Hybride zusammen. Weltweit sind es etwa 27 Prozent. Wer früh bündelt, lernt schneller. Kosten sinken, Software reift, Partnerschaften wachsen. Auch beim autonomen Fahren entstehen weltweit immer mehr Angebote. Ob sie sich durchsetzen, ist offen. Klar ist aber: Die Plattformen von morgen werden jetzt gebaut.
Die Einwände sind berechtigt
Der Wandel verläuft nicht überall gleich. In den USA erwartet BNEF 2026 ein Minus von 19 Prozent bei E-Autos. Verbrenner finanzieren heute noch den Umbau. Zulieferer brauchen Zeit. Für Nutzfahrzeuge kann Wasserstoff eine Rolle spielen. Die Schweiz plant dafür ein Tankstellenkonzept entlang ihrer Nationalstraßen. Diese Argumente rechtfertigen Übergänge. Sie rechtfertigen keinen Stillstand.
Gewonnen auf dem Papier, verloren am Markt
Christina Kunkel bringt es in der Süddeutschen Zeitung auf den Punkt. Was, wenn Hersteller weiter Verbrenner bauen, die bald kaum jemand will? Dann hätten sie auf dem Papier gewonnen. Am Markt könnten sie trotzdem verlieren. Regulierung kann Zeit verschaffen. Eine Strategie ersetzt sie nicht.
Was echte Technologieoffenheit heißt
Technologieoffenheit heißt Offenheit für Neues. Nicht das Bewahren des Bestehenden. Übergänge brauchen deshalb klare Regeln: feste Fristen, klare Bedingungen für Ausnahmen, regelmäßige Überprüfung. Schutz für den Heimatmarkt kann ein Lernraum sein. Er braucht aber Gegenleistungen.
Was das für Marken heißt
Klare Entscheidungen schaffen klare Profile. Wer alles zugleich bedient, wird unscharf. Gerade in Umbruchzeiten suchen Kundinnen und Kunden Orientierung. Eine starke Positionierung braucht deshalb ein tiefes Verständnis der Menschen, die sie erreichen soll.



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